Die Paranoia des Schöpfers

Die Paranoia des Schöpfers

Wenn man Tage, Wochen oder gar Jahre in eine Idee investiert hat, dann entwickelt sie sich zu etwas, dass man beschützen will. Dennoch hat man auch egoistische Ansichten über diese Idee. Man will sie als Eigentum betrachten und niemand sollte es wagen sich ihr zu nähern oder sie gar zu klauen.
Ihr habt vielleicht schon eine Idee, um was es in diesem Blogeintrag geht: Richtig! Plagiate!
Es ist nicht ganz einfach auszumachen, was ein Plagiat ist oder was schlicht purer Zufall. Menschen denken ähnlich, haben ähnliche Ansichten und ähnliche Lebenserfahrungen. Also entwickeln sie auch ähnliche Ideen, zu ähnlichen Zeiten.
2011 erschienen zum Beispiel die beiden Komödien „Freunde mit gewissen Vorzügen“ und „Freundschaft Plus“ ins Kino. Die Prämissen waren nahezu identisch und die Handlung entsprach dem bekannten Schema romantischer Komödien.
Zwei Jahre später folgten die sehr ähnlichen Action-Filme „Olympus Has Fallen“ und „White House Down“. Wieder hatten zwei unabhängige Drehbuchschreiber, zwei in vielen Bereichen gleiche Filme konstruiert.
Eine sehr ähnliche Problematik, tat sich im letzten und diesem Jahr bei mir auf. Gleich zwei Mal. Einmal im größeren Rahmen und einmal im kleineren.
Fangen wir mit dem kleineren an: Seit einer Weile folge ich einer Youtuberin, die sich auf Autorenratschläge spezialisiert hat. Ihr Name ist Jenna Moreci und wie ich ist sie Selfpublisherin, wenn auch eine wesentlich erfolgreichere.
Von ihr wurde ich letztlich auch dazu inspiriert eine Reihe von Autorenvideos zu starten. Bisher hat sich das aber nicht sehr weit entwickelt und es blieb bis zum heutigen Tag bei nur einem Video zum Thema Autorentipps auf meinem Channel. Das will ich bald ändern, aber darum soll es jetzt nicht gehen.
In diesem ersten Video thematisiere ich das Erschaffen von Welten, da das eine signifikante Rolle bei meinem ersten Roman spielte, der ein Fantasy-Setting hat. Veröffentlicht habe ich es im Oktober letzten Jahres. Zwei Monate später veröffentlichte Jenna ein ganz ähnliches Video.
Soweit, so zufällig. Meine Paranoia, was ein Plagiat betraf, setzte auch erst ein, als ich ihr Video sah und sie sehr ähnliche Erklärungen und sogar Witze einbaute. Stichwort: Kanalisation.
Aber seht es euch selbst einmal zum Vergleich an.

Ihr Video geht zugegebenermaßen mehr in die Tiefe und sie gestaltet das Ganze auch sehr viel unterhaltsamer, aber im ersten Moment war ich doch sehr verwundert.
Meine Paranoia hielt dahingehend nicht lange an, denn woher sollte sie von einem deutschen Schmierfink wissen, der von ihr inspiriert Videos veröffentlicht?
Es handelte sich einfach nicht um ein Plagiat, sondern um einen Zufall oder wie man es gerne im Volksmund ausdrückt: Zwei Dumme, ein Gedanke.

Mein zweites Beispiel ist schon gravierender und brachte mich fast dazu, meinen Roman einzustampfen. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich seit etwa 3 Jahren an dem Buch und war fest der Überzeugung, eine originelle und einzigartige Idee gehabt zu haben.
Highfantasy in der Moderne war ein seltenes Gut und war in der Form noch nicht umgesetzt worden. Und dann kam Netflix…
Mit „Bright“ wurde eine prominent mit Will Smith, Joel Edgerton und Noomi Rapace besetzte Fantasy-Crime-Story angekündigt. Die Ähnlichkeit zu meinem Buch „Das Grün umschlingt das Eisen“ war unübersehbar.
Von Anfang an war mir klar, dass es sich nur um einen Zufall handeln kann. Mein Buch war noch nicht fertig, ich hatte nur kleine Auszüge online gepostet und die auch nur auf Deutsch. Wie hätte also Hollywood davon Wind bekommen können?
Die Originalität meines Buchs war aber dahin und ebenso ein Teil meiner Motivation. Ich brauchte Wochen um mich ganz von diesem Tiefschlag zu erholen. Letztlich fiel es mir aber leicht, mich von „Bright“ abzusetzen. Mehr als die Prämisse haben Buch und Film nämlich nicht gemein.
Während „Bright“ im Miami unserer Welt spielt, nur gemischt mit Orks und Elfen, spielt mein Buch in einer fiktionalen Welt. Während „Bright“ auf stereotypische Rassen-Klischees setzt und Rassismus sehr plakativ behandelt, liegt in meinem Buch der Fokus mehr auf Naturschutz.

Kurzbeschreibung zu „Bright“:

In einer alternativen Gegenwart leben Menschen und übernatürliche Wesen wie Elfen, Feen und Orks friedlich gemeinsam auf der Erde. Doch zwischen den Spezies gibt es Spannungen. Der menschliche Cop Daryl Ward (Will Smith) bekommt mit Nick Jakoby (Joel Edgerton) einen Partner an die Seite gestellt, der Ork ist. Die Kollegen sorgen für Aufsehen, weil es ein Team wie ihres bisher nicht gab. Eines Nachts machen Daryl und Nick auf Routinepatrouille eine mysteriöse Entdeckung: ein Relikt, das viel Chaos anrichten könnte, wenn es in die falschen Hände gerät. Daryl und Jakoby müssen das Artefakt sicherstellen und die junge Elfe Tikka (Lucy Fry), die Eigentümerin des Zauberstabs, beschützen. Sie müssen einsehen, dass die Mission nur gelingt, wenn sie sich zusammenraufen und ihre persönlichen Differenzen beilegen. Der feindliche Ansturm beginnt… (Quelle: Filmstarts)

Kurzbeschreibung zu „Das Grün umschlingt das Eisen“:

Serahil Mordai ist ein Jahrhunderte alter Halbelf und Ermittler der Polizeigarde der Metropole Eisenthal. Sein neuster Fall, den er zusammen mit seiner jungen Partnerin Alya Servil untersucht, dreht sich um eine brutale Attacke durch ein unbekanntes Tier. Die Spuren sind widersprüchlich und die Vergangenheit des Opfers dubios. Das Ermittlerduo versinkt immer mehr in einem Sumpf aus Intrigen, der bis in die höchsten Ämter führt.

„Bright“ war künstlerisch ein Flop. Die Kritiken miserabel. Am Ende stand für mich nur noch die Frage im Raum, ob ich dadurch nun profitiere oder mit herunter gezogen werde, obwohl ich nichts damit zu tun hatte.
Letztlich war es dann weder das eine noch das andere. Die Verkäufe wurden durch „Bright“ nicht beeinträchtigt, weder positiv noch negativ.

Nach diesen Erfahrungen, habe ich für mich entschieden, die Sache entspannter zu sehen, als überall gleich ein Plagiat zu vermuten. Natürlich hätte ich Netflix nun verklagen können, wodurch WENIGSTENS etwas Publicity abgefallen wäre, aber wozu das Ganze? Der Stress ist den Aufwand nicht wert und letztlich hätte ich mit Max Landis, der „Bright“ geschrieben hat, nur einen anderen Autor geschädigt, dessen Arbeit (wenn auch von sehr wechselhafter Qualität) ich sehr schätze.

Habt ihr schon Erfahrung mit Plagiaten oder Zufällen, die anfangs aussahen wie Plagiate? Schreibts mir in die Kommentare!

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