Joyner Lucas Reaktion

Joyner Lucas Reaktion

Ich sitze hier und frage mich, was an diesem Musikvideo kontrovers ist. Natürlich werden Worte zur rassischen Einordnung verwendet, die in unserer heutigen, aufgeklärten Gesellschaft keine Rolle mehr Spielen sollten, aber was Worten Macht verleiht ist nicht ihre Bedeutung oder Historie, sondern der Kontext in dem man sie verwendet.

Joyner Lucas benutzt die Worte als Brandbrief, als unangenehmen Blick auf eine unangenehme Wirklichkeit und drückt damit auch seine Wut aus, über den Kreislauf des Rassismus. Es gibt nicht nur die eine Seite, die rassistisch ist, es gibt auch immer die andere. Es spielt keine Rolle ob man historisch belegen kann, dass die andere Seite mehr Scheiße gebaut hat, mehr Menschen der anderen verletzt hat und eigentlich für alles verantwortlich ist.

Rassismus ist nicht exklusiv für die Weißen, Schwarzen, Gelben oder Braunen. Es ist ein Gedankengut, entstanden aus Angst vor dem Unbekannten. Und es wird weiter genährt durch persönliche Negativerfahrungen.

Es ist wie die Spirale der Gewalt. Wenn jemand mein Kind tötet und ich dann ihn töte und er einen Sohn hat, der nun mir Rache schwört, dann zieht sich das immer weiter, bis der letzte Tropfen Blut geflossen ist oder bis jemand die Eier hat den Kreislauf zu durchbrechen und eine andere Richtung einzuschlagen.

Das Gleiche gilt für Rassismus. Was hilft es Worte zu tabuisieren? Was hilft es die Schuld einem anderen Zuzuschieben? Wohin soll es führen, den Groll über vergangenes bis ins nächste oder übernächste Jahrzehnt zu tragen?

Rassismus endet nicht indem man ihn totschweigt. Er endet nicht, wenn man hitzig darüber debattiert. Er endet nicht, wenn man sich im Hass verheddert, weil einem schlimmes angetan wurde.

Rassismus endet erst, wenn jeder einzelne Menschen realisiert, wie unnütz das generelle Konzept der Angst vor dem Fremden ist. Angst ist gut und hält uns am Leben, aber wenn sie irrational wird und die Züge einer Gewaltspirale annimmt, ist sie überwiegend destruktiv.

Welchen Schaden habe ich davon, die Hand in Freundschaft auszustrecken? Vielleicht wird sie weggeschlagen, vielleicht ist mein Gegenüber durch die Spirale bereits verdorben und sieht vor lauter Hass die Kausalität seiner Handlungen nicht mehr; das darf uns aber nicht davon abhalten, aus dieser Spirale zu treten.

Ich bin nicht religiös und denke daher nicht, dass Freundlichkeit oder Nächstenliebe mir im Tod einen Bonus gewährt, aber es gibt mir ein gutes Gefühl und es gibt demjenigen, dem ich helfe im Idealfall ein gutes Gefühl. Vielleicht hält er mich auch für arrogant oder denkt, was will dieses Weißbrot von mir? Scheißegal. Es sollte für niemanden von Relevanz sein, was andere darüber denken, weshalb man Gutes tut oder freundlich ist oder schlicht nicht in Dimensionen der Rassenzugehörigkeit denkt.

  1. Vielleicht betet dein Nachbar täglich fünf Mal in Richtung Mekka.
  2. Vielleicht kocht der Vietnamese neben dir Essen, dass du als stinkend empfindest, weil du es nicht kennst.
  3. Vielleicht sieht dich der Weiße auf dem Weg zur Arbeit mal komisch an.
  1. Das macht deinen Nachbarn nicht zum Fanatiker oder Terroristen.
  2. Probier das Essen doch einfach mal und erfahre ob es dir schmeckt. Wenn nicht, ok. Dann stinkt es eben weiter. Scheißegal. Deine Kohlgerichte riechen auch nicht nach Blümchen und Nelken.
  3. Denk mal drüber nach, ob er einfach eine Fresse zieht, weil er daheim Stress hat oder weil er kaum geschlafen hatte.

Letztlich ist Rassismus für uns als Menschheit ein relativ kleines Problem. Dennoch halten wir verbissen daran fest. Ich will es durch diese Aussage nicht herunter reden, aber schaut euch doch mal unsere anderen Probleme an. Sie haben einen Effekt auf uns alle und schaden jedem einzelnen, ohne Rücksicht auf Hautfarbe und Religion. Ich rede von Erderwärmung, Umweltzerstörung, Kriegen wegen Ressourcen, finanzielle Gier und unsere kollektive Geltungssucht.

Rassismus ist nur ein Symptom in dieser Maschinerie der Selbstzerstörung. Er hilft uns eine ganze Bevölkerungsschicht zu reduzieren, um es uns einfacher zu machen Bodenschätze, Land, Grundstücke oder schlicht Geld zu stehlen.

In unserem individuellen Geist, sind wir das einzige was zählt. Denk bloß nicht, was der andere denkt, denn sonst wirst du gleichförmig und teil des Regimes. Aber wie will man so die Erfahrungen anderer Kennenlernen. Diese teilen und gute Ideen und Konzepte kultivieren?

Aber auch das Gegenteil gibt es häufig: Menschen die in Gruppen aufgehen und ihr individuelles Denken aufgeben und stattdessen besinnungslos mitlaufen, nur weil es einfach ist.

Was ich damit sagen will ist, dass Joyner Lucas verdammt nochmal recht hat. Und verdammt nochmal gut daran tut, es herauszuschreien und sich nicht in verquasten Formulierungen der Political Correctness ausdrückt. Wenn wir als Menschen wirklich eine Überlebenschance haben wollen, dann müssen wir verdammt nochmal vieles überdenken. Wir müssen Abschied nehmen von dem Konzept der Angst vor allem Fremden. Misstrauen ist in Ordnung, aber gebt euch nicht der verdammten Panik her.

Vielleicht wird euer Volksstamm früher oder später von einem anderen verdrängt. Das ist Evolution und sollte euch nicht ängstigen. Der Wandel ist gut und für uns Menschen sogar lebensnotwendig. Bevor wir nicht Konzepte wie Grenzen, Rasse oder religiöse Ungleichheit überwinden, können wir das Wort „menschlich“ nicht im positiven Kontext nutzen.

Vielleicht wird dieser Text nun auch als Kontrovers angesehen, aber das ist mir scheißegal. Es ist ein Brandbrief, geboren aus den selben Emotionen, die ich auch in dem Video von Joyner Lucas wahrgenommen habe. Diskutiert darüber. Gebt mir recht oder unrecht. Zerreißt es in der Luft oder akzeptiert es als ultimative Wahrheit. Es ist mir egal.

Mit weniger Wut im Bauch sage ich lediglich, dass ihr hoffentlich die Quintessenz herauszieht, dass unser derzeitiger Weg als Menschheit, ein zu destruktiver ist und das wir schleunigst eine Kurskorrektur vornehmen sollten.

Damit sage ich nur noch: Bleibt geschmeidig.
Euer Jan

Ps.: Diesen Text habe ich nicht gegen gelesen oder korrigiert, weil ich fürchte, dass es die Aussage verfälschen würde, wenn ich mit dem Augen eines Autors nochmal drüber gehe. Es soll meine Emotionen ausdrücken, nicht den Anspruch einer journalistischen Veröffentlichung habe.

Joyner Lucas „I’m Not Racist“ Official Lyrics & Meaning

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